Das ging für Günter Hillebrandt und seine Umgebung erschreckend schnell. Nur wenige Wochen vergingen von der Diagnose der unheilbaren, schweren Erkrankung bis zu seinem Sterben. Doch wie er so war: Er hat dies tapfer und auf seine direkte Art angenommen und bewusst gestaltet. "Ich sehe Licht am Ende des Tunnels." Mit diesen Worten gab er seinem Glauben an einen Gott, der stärker ist als der Tod, deutlichen Ausdruck. Von Familie, Freunden, Weggefährten und dem unschätzbar wertvollen Palliativ-Netzwerk liebevoll begleitet, starb Günter Hillebrandt in der Nacht zum 15. Februar.
Mit seinem Tod verliert Rheine einen außergewöhnlichen Priester und Zeitgenossen. Günter Hillebrandt lebte und starb keineswegs als Kopie, vielmehr war er ein absolutes Original. Seine unverblümte, direkte Ansprache war vielleicht für manche Ohren ungewöhnlich, doch wirksam und klar. Seine Verbundenheit zur Jugend hat ihn selbst stets jung gehalten. So wundert es nicht, dass er bis zuletzt mit den Bewohnern des Caritas Kinder- und Jugendheims Gottesdienste gefeiert hat. Nicht umsonst trägt das Haus der Offenen Jugendarbeit in St. Marien seinen Spitznamen: Bistro Charly. Die Ferienlager in Fürstenberg/Schwarzwald waren seinerzeit zum Klassiker geworden. Selbst der eiserne Vorhang hatte ihn nicht abgehalten, schon früh Jugendbegegnungen mit den Christen in der damaligen DDR zu organisieren. Aus diesen Kontakten entstanden weitere Netzwerke der Solidarität in die Länder Osteuropas. Und weil Kirche der ganzen Welt gehört, spannten sich mit seiner Hilfe weitere Netzwerke der Solidarität nach Äthiopien, Brasilien, Tansania und in den Senegal.
Bestimmt war die Herkunftsfamilie des Verstorbenen eine prägende Quelle seiner solidarischen Einstellung. Am 30.November 1940 geboren, wuchs er in einer Familie mit 9 Kindern in Billerbeck auf. Zusammenhalt, friedenstiftende Konfliktfähigkeit und praktischer Einsatz waren wohl angesagt. Diese Prägung hat sich später an allen Dienststellen des Seelsorgers bewährt. Am 29. Juni 1968 zum Priester geweiht, diente Günter Hillebrandt zunächst als Kaplan in der Chemiestadt Marl. Nicht von ungefähr kam dann der Personalchef des Bistums Münster auf die Idee, ihn 1971 zum Berufsschulpfarrer in Moers und Subsidiar in Duisburg Homberg zu ernennen, 1980 dann zum Kaplan in Kleve. Wer den mittlerweile emeritierten Pfarrer von diesen Zeiten erzählen hörte, konnte leicht mit ihm ins Schwärmen geraten. Unter jenen pastoralen Bedingungen wird es auch jedem verständlich sein, dass er sich nicht allzu viel um zu enge formale Grenzen scherte. Die übersprang er hemmungslos, wenn es denn dem Wohl der Menschen diente. Wie gerne hätten wir mit ihm am 29. Juni das goldene Priesterjubiläum gefeiert!
Das Wohl der Menschen - Günter Hillebrandt verstand es immer ganzheitlich, spirituell und sozial. Ungezählten Menschen hat er die Sakramente gespendet, das Wort Gottes verkündet und aus dem Glauben Mut gemacht. Ungezählten Menschen hat er auch geholfen, mit den Widerständigkeiten des Lebens und miteinander zurecht zu kommen, Notsituationen zu meistern und die besten Lebenskräfte zu mobilisieren. Von 1984 bis 2006 war dieser "priesterliche Sozialarbeiter" Pfarrer der Kirchengemeinde St. Mariä Himmelfahrt in Rheine. Für eine lebendige, zeitgemäße Pastoral und eine intakte, zukunftsfähige Infrastruktur hat er sich in all den Jahren tatkräftig eingesetzt. Hier punktete er mit seinem Talent als bodenständiger und unkonventioneller Menschenfischer. Er hatte für alles seine Leute, konnte delegieren, aber auch großherzig geben. Bis heute spürt man in dieser Gemeinde, die mittlerweile zur Großpfarrei Sankt Antonius (von Padua) gehört, diesen Teamgeist und die Bereitschaft Vieler zum Engagement. Als Günter Hillebrandt 2006 zum Vicarius Cooperator für das Dekanat Rheine ernannt wurde, kamen seine Netzwerke weiter zum Zuge. Unermüdlich hat er seine priesterlichen, mitmenschlichen Dienste zur Verfügung gestellt. Nicht nur die Pfarreien in Rheine werden ihn vermissen. Die Caritas Emstor-Werkstätten, das Hilfswerk Donum Vitae, die Eheberatung, die Forensik, die KAB im Bezirk Münsterland, die Pfarrei Saerbeck und viele andere gedenken seiner in Dankbarkeit und Respekt. Pfarrer Günter Hillebrandt hat deutliche Spuren hinterlassen.
