Teilnehmende und Gäste des Projektes „Demokratie schmeckt“ während der AbschlussveranstaltungCaritas Rheine
Wie sprechen wir über Rassismus und Diskriminierung? Welche Themen beschäftigen junge Menschen gerade? Und wie soll ein Treffen mit Politikerinnen und Politikern aussehen, damit ein echter Austausch entsteht? Mit diesen Fragen beschäftigten sich Jugendliche im Alter von 16 bis 27 Jahren im Projekt "Demokratie schmeckt", begleitet von Mitarbeitenden der Jugendberatungsstelle und des Fachdienstes Migration und Integration der Caritas Rheine.
Besonders daran war die Eigenständigkeit der Teilnehmenden. Die Jugendlichen waren nicht einfach Teil eines fertigen Programms, sie machten "Demokratie schmeckt" selbst zu ihrem Projekt. Beginnend im Februar traf sich die Gruppe im Zwei-Wochen-Rhythmus. Gemeinsam wurde überlegt, welche Themen die Jugendlichen beschäftigen, Rassismus und Diskriminierung waren ihre Schwerpunkte. Gleichzeitig fanden auch persönliche Themen der Jugendlichen Raum.
Über die Gestaltung der Treffen entschieden die Jugendlichen selbst. Sie planten Inhalte, entwickelten Ideen und überlegten gemeinsam, wie sie mit Vertreterinnen und Vertretern aus der Politik ins Gespräch kommen wollten. Auch den Namen des Projekts entwickelte die Gruppe selbst: "Demokratie schmeckt". Damit haben die Jugendlichen eine positive und ermutigende Perspektive auf diese Gesellschaftsform eröffnet, die dann besonders sinnig ist, wenn möglichst viele, unterschiedliche Menschen bildlich gesprochen "mit am Tisch" sitzen. Die Jugendlichen beschlossen, zwei Treffen mit Vertreterinnen und Vertretern kommunaler Politik zu planen und vorzubereiten, um sich so den Zugang zur Politik selbst erarbeiten zu können.
Um inhaltlich tiefer einzusteigen, nahm die Gruppe vorab an zwei Workshops teil. Zu den Themen "Kritisches Weißsein" sowie einem "Argumentationstraining gegen rechte Stammtischparolen". Im Mittelpunkt stand dabei das Erlernen von Handlungswissen und Verhaltensstrategien. Wie kann ich selbst reagieren, wenn mir eine rassistische oder diskriminierende Aussage begegnet? Außerdem konnte während dieser Workshops diskutiert werden, welche eigenen Rassismen und Vorurteile durch die eigene Sozialisation verinnerlicht wurden und wie diese wieder verlernt werden können.
Während der Treffen mit Vertreterinnen und Vertretern demokratischer Parteien aus Rheine konnten die Jugendlichen ihre selbst entwickelten Fragen im direkten Gespräch stellen. Dabei ging es auch darum, Vorurteile und Berührungsängste abzubauen und einander persönlich kennenzulernen. Das erste Treffen fand bei einem gemeinsamen Kochen statt. Für das zweite Treffen plante die Gruppe eine Fragenrallye, in der sie gemeinsam mit den Lokalpolitikern über Themen wie Diskriminierung, Rassismus und ganz allgemein über Politik diskutierten.
Zum Abschluss des Projekts kamen noch einmal über 30 Beteiligte im Centro S. Antonio zusammen. Neben den Jugendlichen waren Vertreterinnen und Vertreter der demokratischen Parteien und des Ausschusses für Chancengerechtigkeit und Integration, weitere junge Menschen aus Rheine sowie Mitarbeitende des Caritasverbandes dabei.
"Grade in diesen Zeiten ist es wichtig, dass sich junge Menschen mit gesellschaftspolitischen Themen und dem Erhalt der Demokratie beschäftigten" bedankte sich Stefan Gude, Leiter der Abteilung Erziehung und Bildung und der Stabsstelle Verbandspolitik und Kommunikation, bei den Teilnehmenden und Kommunalpolitikern während der Abschlussveranstaltung.
Für gute Stimmung sorgte ein Eiswagen unter dem Motto "Eis gegen Antwort": Wer eine Frage an die politisch aktiven Gäste stellte und eine Antwort bekam, durfte sich mit einem Eis belohnen. Beim Quiz nach dem Vorbild der Show "1, 2 oder 3" traten Jugendliche und Politikerinnen und Politiker gemeinsam an. Beim Lagerfeuer mit Stockbrot und Gesprächen klang der Abend und damit auch das Projekt gemütlich aus.
Gefördert durch die Stadt Rheine und den Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) wurde das Projekt von der Jugendberatungsstelle und dem Fachdienst Migration und Integration des Caritasverbandes Rheine durchgeführt.
Nach rund sieben Monaten endet ein Vorhaben, in dem Partizipation gelebt wurde: Junge Menschen stellten selbst erarbeitete Fragen, Politikerinnen und Politiker nahmen das Angebot des Austausches an, sodass beide Seiten voneinander lernten.