CDU besuchte im Rahmen der Sommertour die Altenwohnanlage Caritas-Marienstift.
Empfangen wurden die Gäste von Caritas-Vorstand Dieter Fühner, Abteilungsleiter Gesundheits- und Altenpflege Klaus Jäger und Einrichtungsleiterin Margarethe Lemke. Jäger erläuterte dabei die Veränderungen in der Bewohnerstruktur. Während die Menschen früher häufig zwischen dem 60. Und 70. Lebensjahr in ein Altenheim gekommen seien, habe sich dies auf Grund der höheren Lebenserwartung heute deutlich nach hinten verschoben. "Die Menschen kommen später zu uns, wobei die Verweildauer gleichzeitig sinke. Zudem wollen viele Menschen heute so lange es irgendwie geht selbstständig bleiben", so Jäger. Diese Anforderungen führten in der Altenpflege zu neuen Angeboten. So biete das Marienstift neben den 100 stationären Vollzeitpflegeplätzen auch acht Kurzzeitplätze an, eine Tagespflege mit 18 Plätzen sowie ein Service-Wohnen, also seniorengerechte Mietwohnungen mit individuell auf die Bewohner abgestimmten Leistungen wie Haushaltshilfen oder Notfallklingel. "Letzteres erhält die Selbstständigkeit als Angebot zwischen Eigenheim und Altenheim. Vor allem aber beugt es der zunehmenden Vereinsamung im Alter durch die Hausgemeinschaften, Gemeinschaftsräume und Ansprechpartner, die auch einfach mal guten Tag sagen, vor", beschreibt Dieter Fühner das Modell. Die Kurzzeitplätze seien vor allem für vorübergehend eingeschränkte Menschen da, wohingegen die Tagespflegeplätze häufig als flexibel buchbare Entlastung für pflegende Angehörige oder als Ergänzung zur ambulanten Pflege genutzt würden. Dabei sorge das Angebot vor allem für Tagesstruktur durch gemeinsames Basteln, Spielen oder Vorlesen.
Laut Lemke habe das Marienstift zwei Schwerpunkte in der Pflege. Zum einen richte man gezielt Angebote an demenziell veränderte Menschen. Dabei lege man besonderen Wert auf Routine, indem beispielsweise zu Beginn und Ende eines Spieles das gleiche Volkslied mit den Teilnehmern gesungen würde. Zum anderen biete man palliative Pflege an mit dem Schwerpunkt Angst zu nehmen und Schmerzen zu lindern. Dazu habe man auch zwei Hospizplätze eingerichtet. "Besonders positiv hat sich für diese Aufgaben wie auch die Pflege insgesamt das Pflegestärkungsgesetz II ausgewirkt. Wir haben seit dem fünf Betreuungsassistenten im Einsatz", so Lemke. Diese würden mit den Bewohnern vor allem Unterhaltungsangebote durchführen.
Beeindruckt zeigten sich die Besucher auch von der modernen und hellen Kapelle. "Als katholischer Träger ist uns ein entsprechendes Angebot wichtig. Viele unserer Bewohner wissen dies auch zu sehr zu schätzen", führt Dieter Fühner aus. So sei man auch eine enge Kooperation mit der Sankt Antonius Gemeinde eingegangen. Auch habe man eine speziell geschulte Mitarbeiterin, die drei Wochenstunden für religiöse Aufgaben investiere, sowie Seelsorgeteams. "Alles jedoch nur als Angebot, es besteht kein Zwang. Egal ob katholisch, evangelisch, muslimisch oder konfessionslos, im Marienstift ist jeder willkommen", betonte Fühner.
Das Marienstift selbst ist bereits einige hundert Jahre alt. Im jetzigen Zustand wurde es 1990 als Modellprojekt mit einzelnen Wohnbereichen bezogen. Meistens handelt es sich um Einzelappartements. Bei Bedarf könnten diese aber auch doppelt für ein Ehepaar genutzt werden. Pro Wohnbereich gibt es ein Esszimmer statt eines zentralen Speisesaals oder Tablettverpflegung auf den Zimmern. Dies sei laut Lemke besonders wichtig für die Gemeinschaft. "Was sehr positiv auffällt sind die großen Zimmer. Diese sind weitaus größer als die genormten 18 Quadratmeter", bemerkte CDU-Mitglied Resi Overesch. Ebenso positiv äußerte sich Bewohnerin Frieda Geier, die seit zehn Jahren im Marienstift lebt: "Ich würde hier nicht mehr wegwollen. Die Ruhe, die Angebote, das trotz der hohen Belastung nette Personal, das Essen und vor allem die Gemeinschaft sind richtig toll."
Ratsmitglied Fabian Lenz griff auch die aktuelle Pflegedebatte auf: "Die Bezahlung bei Ihnen als kirchlicher Träger ist für Pflegefachkräfte nicht schlecht. Trotzdem sorgen zu wenige Ausbildungsplätze, ein schlechtes Image, hohe Belastung und unattraktive Arbeitsbedingungen sicher auch bei Ihnen für einen Fachkräftemangel. Wie gehen Sie damit um?" Dieter Fühner meinte zu der aktuellen Diskussion um die Bezahlung der Pflegekräfte: "Flächendeckende Tariflöhne können wir nur befürworten. Unsere Bezahlung ist schon jetzt an den TVöD angelehnt. Viele private Anbieter mit eigenem Haustarif zahlen aber deutlich unter Wert für diesen auf Grund der Demografie immer wichtiger werdenden Beruf." Zudem gäbe es bei diesen Anbietern häufig keine betriebliche Altersvorsorge oder Weihnachts- und Urlaubsgeld. Stattdessen seien laut Jäger tatsächlich die Rahmenbedingungen ein Problem: "Die Stoßzeiten sind morgens und abends. Zwischen zehn und 16 Uhr brauchen wir eigentlich weniger Pflegekräfte. Das sind natürlich unattraktive Zeiten." Auch mangele es an Personal, wodurch die Belastung für die vorhandenen Kräfte zusätzlich steige. "Wir können froh sein, dass die Politik, unter anderem mit den Ministern Laumann und Spahn, die Herausforderungen jetzt gezielt angeht", befand Fühner.
Ratsmitglied Josef Wilp wollte wissen, wie sich die generalistische Ausbildung auswirke. Laut Fühner und Jäger werde diese dazu führen, dass mehr Krankenpflegeanteile in die Ausbildung der Caritas hinzukommen werden. Margarethe Lemke meinte abschließend: "Fachlich bringt es sicherlich Vorteile mit sich. Problematisch für die Altenpflege wird sein, dass Krankenhäuser das attraktivere Arbeitsumfeld bieten könnten und es somit zu einer weiteren Verknappung in Altenpflegeeinrichtungen kommen könnte."