Ein gespanntes Publikum folgte den Ausführungen von Astrid Schaffert zu den Themen Nachhaltigkeit, Klimaschutz und soziale Gerechtigkeit.
Nachrichten von Naturkatastrophen wie Überschwemmungen, Buschbränden und Trockenperioden, die immer heftiger und in immer kürzeren Intervallen geschehen, gehören mittlerweile zum Alltag. Auch ist bekannt, dass, um die negativen Folgen für Mensch und Natur in Grenzen zu halten und die globale Erwärmung auf maximal 1,5 Grad Celsius bis Ende des Jahrhunderts zu begrenzen, Treibhausgasemissionen drastisch und zeitnah reduziert werden müssen. Gleichzeitig steigende Lebenshaltungskosten aufgrund von steigenden Strom-, Gas- und Benzinpreisen treffen zwar alle Menschen gleichermaßen, diejenigen mit einem schmaleren Geldbeutel jedoch überproportional. Da stellt sich schnell die Frage, wo das alles hinführen soll. Dieses Spannungsfeld von Alltagsbewältigung und Zukunftsangst aufzulösen ist für den Einzelnen so gut wie unmöglich, da es sich um Aufgaben handelt, die nach globalen Beantwortungen verlangen.
Die Caritas Rheine lud deshalb am vergangenen Mittwochabend in die Gaststätte Hypothalamus ein. Gemeinsam mit einem interessierten Publikum wollte man sich den Themen Nachhaltigkeit, unserem Umgang mit der Umwelt und der sozialen Gerechtigkeit unserer Gesellschaft auseinandersetzen.
Nun kann die Frage gestellt werden, was denn die Caritas in Rheine mit dem Thema Klimaschutz zu tun hat.
Als kirchlicher Träger der freien Wohlfahrtspflege versteht sich die Caritas als gesellschaftspolitische Fürsprecherin für Menschen am Rande der Gesellschaft. Die reichsten zehn Prozent der Deutschen verursachen 15-mal mehr Klimaschäden als die ärmsten zehn Prozent der Deutschen. Erwiesenermaßen sind es jedoch die Ärmsten, die von Klimaschäden am meisten betroffen sind, weil sie häufig in schlecht gedämmten Wohnungen leben, sich schlechter vor den Folgen des Klimawandels schützen können und besonders durch schlechtere Wohnlagen von Umweltverschmutzung betroffen sind.
Astrid Schaffert, sozialpolitische Referentin des Deutschen Caritasverbandes und ausgewiesene Expertin in oben genannten Themen, war zu Gast, um sich gemeinsam mit dem Publikum diesen Inhalten anzunähern. Aufgrund des Bahnstreiks war Schaffert statt eines ursprünglich geplanten Vortrags vor Ort per Videokonferenz aus Freiburg zugeschaltet.
Die beiden Vorstände der Caritas Rheine, Dieter Fühner und Ludger Schröer, begrüßten die Anwesenden und gaben eine thematische Einführung in die Thematik. "Als Caritas sehen wir es als eine zentrale Aufgabe an, benachteiligte Personengruppen in den Blickpunkt zu stellen, so auch bei diesem Thema", führte Fühner aus. "Gleichzeitig müssen auch wir unsere Strukturen und unser Wirken auf die Umwelt auf den Prüfstand stellen, um langfristig zukunftsfähig zu sein", ergänzte Schröer.
Im Anschluss daran legte Schaffert in einem interessanten, anspruchsvollen Vortrag die Probleme und Aufgaben dar, denen sich die Gesellschaft in Rheine, in Deutschland, aber auch die der ganzen Welt, stellen muss.
Schaffert schärfte das Bewusstsein der Anwesenden für die Bedeutung von Nachhaltigkeit und Klimaschutz auf der Grundlage wissenschaftlicher Erkenntnis und präziser Analyse und ging auf die Konsequenzen der Untätigkeit ein. So zeigte sie auf, dass das erklärte Klimaziel einer Erderwärmung von maximal 1,5 Grad Celsius vermutlich schon gerissen sei und unumkehrbare Klimaveränderungen damit auch weiter fortschreiten würden. Gleichzeitig blieb sie während ihres Vortrags und auch in der anschließenden Diskussionsrunde mit dem Publikum zuversichtlich gestimmt. Ihr gelang es, die Themen mit einem positiven Blick in die Zukunft zu versehen.
Die Frage aus dem Publikum nach Lösungsansätzen beantwortete sie damit, dass eine Akzeptanz der Bevölkerung für ordnungspolitische Maßnahmen und klimapolitische Gesetzgebung zwingend notwendig sei.
Als praktisches Beispiel führte Schaffert an, dass wir uns als Gesellschaft auch darauf einigen können, an einer roten Ampel stehenzubleiben. Dieses gesetzlich festgeschriebene Gebot sei sinnvoll und niemand würde auf die Idee kommen, es durch "Anreizsysteme" zu ersetzen, die lediglich den Vorschlag machen würden, anzuhalten und ein Weiterfahren nicht weiter bestrafen würden.
Übertragen auf eine gute Ordnungspolitik warb Schaffert in Sachen Klimaschutz für ein Mitdenken von sozialen Auswirkungen.
Mietwohnungen energetisch gestalten, den Personennahverkehr stärken und Teuerungen, die sich aus einer Klimapolitik ergeben, für Menschen am unteren Einkommensspektrum abfedern. Diese Dinge müssten mitgedacht werden, um eine soziale Gerechtigkeit zu gewährleisten und eine breite Öffentlichkeit anzusprechen und mitzunehmen.
Während der Diskussion wurde klar, dass die Anwesenden ein hohes Bewusstsein für die drängendsten Aufgaben unserer Zeit mitgebracht haben. Am Ende der Veranstaltung zog Alexander Breulmann, verantwortlich für die Themen Nachhaltigkeit und Klimaschutz in der Caritas Rheine und Moderator der Veranstaltung, dann auch ein positives Resümee. Eine inhaltliche Auseinandersetzung mit diesem Thema auf diesem Niveau lasse darauf hoffen, dass in Zukunft die richtigen Weichen gestellt werden, um den nachfolgenden Generationen einen möglichst intakten Planeten hinterlassen zu können.