Die Adoleszenz ist schon unter "normalen" Bedingungen eine Entwicklungsphase starker Irritierbarkeit in der Suche nach Identität und einem stabilen Verhältnis zum eigenen Selbst. Eine neue Balance zwischen Individualität und Zugehörigkeit muss entwickelt werden.
Was für alle Jugendlichen eine Herausforderung ist, wird für Pflegekinder nicht selten zu einer gravierenden Krise, in der neu gewachsene und schutzbedürftige Bindungen noch einmal eine extreme Belastungsprobe erfahren. Pflegekinder fragen dann oft noch einmal verstärkt nach ihrer biologischen Herkunft, wollen verstehen, warum sie nicht bei ihren leiblichen Eltern aufwachsen konnten und laden diese nicht selten mit idealisierenden Vorstellungen auf.
Pflegeeltern reagieren oft verunsichert und gekränkt auf diese Versuche der Distanzierung, Rückversicherung und Selbstfindung. Ungekonnte Formen der Suche nach den leiblichen Eltern, die von diesen oft ebenso ungekonnt beantwortet werden, rütteln an der Stabilität des jugendlichen Pflegekindes und bringen eine vielleicht sicher geglaubte Beheimatung in der Pflegefamilie in Gefahr. Dabei würde diese für die anstehenden Schritte in ein selbstständiges Leben eigentlich noch einmal besonders gebraucht.
- Wie können wir erkennen, auf welche Fragen jugendliche Pflegekinder in dieser Phase wirklich Antworten suchen und welche Grundbedürfnisse neu aufgebrochen sind?
- Wie können wir sie passend beantworten?
- Welche Rolle sollten leibliche Eltern dabei spielen?
- Und wie können Pflegeeltern Orientierung finden, so dass sie ihr jugendliches Pflegekind auch durch diese schwierige Zeit begleiten und für die Schritte in ein eigenständiges Leben ein guter Rückhalt sein können?
Ausgehend von einem psychologischen Verständnis von Identität als Gestalt der erlebten und je neu gesuchten Befriedigung genetisch verankerter Grundbedürfnisse sollen einige Wegmarkierungen aufgezeigt werden, die auf der Suche des Pflegekindes zwischen Herkunfts- und "Hinkunftsfamilie" mehr Orientierung, Klarheit und Sicherheit schaffen.
Justinus Jacobs
Dipl. Theologe, Heilpraktiker (Psychotherapie), Systemischer Familientherapeut und Mediator, Trauma orientierter Körpertherapeut (Somatic Experiencing, PBSP)
Seit 22 Jahren im Caritas-Kinder- und Jugendheim in Rheine tätig. U. a. Therapie und Diagnostik mit Kindern, Jugendlichen und Eltern sowie Arbeit mit Herkunftseltern im Heilpädagogischen und Psychologischen Dienst. Beratung von Pflegeeltern und Arbeit mit Pflegekindern. Einige Jahre lang Leitung einer integrierten Beratungsstelle für Erziehungs-, Ehe- und Lebensberatung im Emsland. In Münster in eigener Praxis tätig.
Zielgruppe
Seminar für Pflegeeltern sowie Fachkräfte des Adoptions- und Pflegekinderwesens
Caritas-Kinder- und Jugendheim
Unlandstraße 101, 48431 Rheine
Ablauf
- 9.00 Uhr: Ankommen und Empfang mit Stehkaffee
- 9.30 −12.30 Uhr: Seminar
- 12.30 −13.30 Uhr: Pause und Mittagsimbiss (auch vegetarisch und vegan)
- 13.30 −16.30 Uhr: Seminar
Teilnahmebeitrag
- 50 Euro für Pflegeeltern, die alleine teilnehmen
- 90 Euro für Pflegeeltern, die als Paar teilnehmen
- 120 Euro für Fachkräfte