Ein Praxisworkshop für die Mitarbeiter des Jobcenters.
Gibt es auch andere Erkrankungshintergründe wie zum Beispiel psychische Erkrankungen, die sich durch ähnliche Symptome zeigen? Wie kann ich als Mitarbeiter reagieren und auch motivieren, eine Beratungsstelle aufzusuchen? Wie gehe ich mit Kunden um, die offensichtlich alkoholisiert sind oder bei denen ich wiederholt eine "Fahne" wahrnehme? Wie steht es um die Verhaltenssüchte wie zum Beispiel das pathologische Glücksspielen?
Am 9. März 2018 konnten jetzt 30 Mitarbeiter des Jobcenters in Rheine diese und noch viele weitere Fragen mit Jan Grunewald und Frank Schoppe von der ambulanten Suchtkrankenhilfe des Caritasverbandes Rheine in Form von zwei Workshops diskutieren. Neben der Vermittlung von Grundlagenwissen zum Thema Sucht wurde vor allem auf praxisrelevante Details eingegangen. Die Mitarbeiter des Jobcenters schilderten vielfältige Beispiele aus Ihrem Arbeitsalltag, die so gemeinsam reflektiert werden konnten. Es zeigte sich hierbei, dass der erste Eindruck häufig der richtige ist und das es vor allem wichtig ist, beobachtete Veränderungen oder Auffälligkeiten offen und kontinuierlich anzusprechen um bei den Betroffenen eine Veränderungsmotivation zu befördern. Jan Grunewald und Frank Schoppe stellten hierbei heraus, dass das Gelingen einer tragfähigen Berater- Kunden Beziehung entscheidend für die Gesprächssituation mit den Kunden ist. Der Fürsorgeaspekt sollte hierbei neben den vom Kunden einzuhaltenden Verpflichtungen im Vordergrund stehen. So kann es auch bei suchterkrankten Kunden einen Weg geben um Vermittlungshemmnisse abzubauen.
Eine Vermittlung zu den Beratungsdiensten des Caritasverbandes Rheine oder auch der Aktion Selbsthilfe, mit der diese Schulung in Kooperation angeboten wurde, kann ein erster Schritt sein, der den Kunden die Chance einer vertraulichen Auseinandersetzung mit ihrer offensichtlichen oder anfänglich auch nur vermuteten Abhängigkeitsproblematik geben kann. Grundsätzlich bedürfen alle Gespräche der Zustimmung des Betroffenen und werden selbstverständlich streng vertraulich geführt. Aufgrund der bereits langjährig gewachsenen guten und intensiven Kooperation der ambulanten Suchtkrankenhilfe des Caritasverbandes mit dem Jobcenter, konnten so schon viele Menschen einen Weg aus ihrer Abhängigkeitserkrankung finden. Hierbei helfen vor allem die kurzen Wege und der zwischen beiden Institutionen gepflegte persönliche Kontakt zwischen den Mitarbeitern des Jobcenters und der ambulanten Suchtkrankenhilfe. Zum Abschluss der halbtägigen Veranstaltungen stimmten alle überein, dass ein regelmäßiges Schulungsangebot sehr hilfreich für die praktische Arbeit vor Ort ist und das eine Wiederholung wünschenswert sei.