
Psychosoziale Beratungsstelle
der Gemeindepsychiatrische Dienste
Caritas-Haus
Lingener Straße 11-13
48429 Rheine
Telefon 05971 862-360
Telefax 05971 862-319
E-Mail: gpd-sucht@caritas-rheine.de
Martin Baur-Mainka, Fachbereichsleitung
Helga Behninger
Heike Hüllsieck
Brigitte Meyer, Sekretariat
Psychosoziale Beratungsstelle:
Hilfen für psychisch erkrankte Menschen und ihre Angehörigen
Die Angebote der Psychosozialen Beratungsstelle zielen darauf ab, Klienten und Angehörige über die Erkrankung und Behandlungsmöglichkeiten zu informieren und einen selbstverantwortlichen Umgang der Betroffenen mit der Erkrankung zu fördern. Leitfragen sind dabei: Wie können Betroffene befähigt werden, ihr Leben möglichst selbstbestimmt zu gestalten, eigene Fähigkeiten und Ressourcen zu nutzen und ihre Erkrankung möglichst gut zu bewältigen?
Depressive Verstimmungen oder psychische Erkrankung?
Jeder von uns kennt depressive Verstimmungen oder andere Befindlichkeitsstörungen. Meistens sind sie vorübergehend und treten im Zusammenhang mit äußeren Belastungssituationen wie dem Tod eines geliebten Menschen, dem Verlust des Arbeitsplatzes oder einer schweren körperlichen Erkrankung auf.
Psychische Beeinträchtigungen mit Krankheitswert dagegen sind langandauernd, machen handlungsunfähig, indem sie das Denken, Fühlen und Handeln nachhaltig verändern. Sie sind von den Betroffenen willentlich „nicht in den Griff zu bekommen“. Genauso wie jeder Mensch körperlich erkranken kann, kann auch jeder seelisch erkranken, unabhängig von Alter, sozialer Schicht oder Persönlichkeit. Psychische Erkrankungen haben gemeinsam, dass Betroffene zeitweilig nur noch eingeschränkt ihre sozialen Rollen in Familie, Betrieb, Freundeskreis wahrnehmen können und die an sie gestellten Erwartungen nicht mehr erfüllen. Die betroffenen Menschen verhalten sich anders als vorher, ohne dass das Umfeld dafür eine Erklärung findet.
Vorhandene Stärken und Ressourcen nutzen
Hier setzt die langjährige Erfahrung und fachkundige Hilfe der Beratungsstelle an: Sie begleitet Betroffene und ihre Angehörigen
in diesem Prozess so, dass die vorhandenen Ressourcen und Stärken für die Umsetzung einer vereinbarten Problemlösung genutzt
werden können. Denn kein Mensch ist ausschließlich psychisch krank, jeder verfügt über Talente und Fähigkeiten.
Das gemeindeorientierte Hilfeangebot der Psychozialen Beratungsstelle orientiert sich dabei an den Grundbedürfnissen psychisch
erkrankter und behinderter Menschen: Wohnen, materielle Absicherung, Arbeit, soziale Bezüge, die es ermöglichen Partner-schaften
und Freundschaften zu schließen.
Einblicke
"Ich hatte das erste Zwischendiplom meines Chemiestudiums bestanden, als ich an einer Depression erkrankte. Traurig, erschöpft,
lustlos stand ich in einem Leben, das für mich keinen Sinn mehr hatte. Zwei Monate später begann ich, Stimmen zu hören. Sie
kommentierten mein Tun und forderten mich auf, aus dem Fenster zu springen. Da ich im neunten Stock wohnte, hatte ich Angst.
Ich erlebte auch Black-outs: Situationen, von denen ich nicht wusste, was ich soeben getan hatte; war mein Erleben ein Traum
oder real? Im Sommer empfand ich die Situation als so ausweglos, dass ich mir das Leben nehmen wollte.“
Auf die Frage, welche Ursachen sie für ihre Krise sehe: „Für mich ist es eine Mischung aus äußeren Bedingungen und persönlichen
Entwicklungen. Ich hatte keine gute Beziehung zu meinen Eltern. Andere Kinder hätten unter diesen Umständen wohl anders reagiert,
für mich war damals der Weg in die Psychose die einzige Möglichkeit, an meiner Situation etwas zu verändern. Während ich das
Geschehen damals als etwas erlebte, das einfach mit mir geschieht, das ich nicht beeinflussen konnte, sehe ich mich heute
stärker in einer handelnden Position. Dies bedeutet, dass ich einiges dazu beitragen kann, ob ich wieder psychotisch werde
oder nicht.“
(aus: Sybille Prins (Hrsg.): Seitenwechsel, 2006).
